Schon viele Jahre wird immer wieder behauptet, dass Yammer das Zeitliche segnen wird. Alternative Lösungen wie Workplace by Facebook und die Einführung der Office 365 Groups und später Microsoft Teams sollten das Schicksal besiegeln. Es sah auch für Monate so aus, als würde die Weiterentwicklung stagnieren. Die Community wurde vertröstet und auf begehrte Funktionen, wie das Editieren von Einträgen, musste man sehr lange warten.

Doch im Jahr 2018 startete Yammer wieder richtig durch. Spätestens mit Satya Nadellas Vorstellung seiner täglichen Arbeit mit Microsoft Teams, Yammer und Outlook wurden die Begriffe der Inner Loop, Outer Loop und Open Loop (Outlook) geprägt.

Yammers neue Rolle – die Open Loop

Es stimmt, dass Yammer für viele Anwendungsszenarien nicht mehr die beste Wahl ist. Dazu gehören private Gruppen der täglichen Zusammenarbeit oder externe Netzwerke für Arbeitsgruppen oder Projekte.

Allerdings hat Yammer seine neue Nische gefunden. In der Open Loop geht es primär um unternehmensweite offene Diskussionen und das Teilen von Informationen.

Eingehende Informationen lassen sich klassifizieren nach:

  • Bedeutung für die tägliche Arbeit
  • Dringlichkeit
  • Interesse
  • Zielgruppe

Wenn mir ein Kollege aus dem Vertrieb eine Information zu einer laufenden Ausschreibung zukommen lässt, dann hat dies für mich eine hohe Bedeutung. Je nach Abgabedatum ist es dringlich und ich habe ein großes Interesse daran diese Information zu erhalten. Als Mitglied des virtuellen Account-Teams bin ich auch die primäre Zielgruppe.

Dieses Beispiel illustriert ein Szenario direkter Kommunikation. Ein gutes digitales Medium ist hier Microsoft Teams.

Für Yammer sind Szenarien interessant, die nicht dringlich sind, oft eine unbekannte Zielgruppe haben und selten eine hohe Bedeutung für mein tägliches Arbeitsergebnis.

Einige Beispiele:

  • Informationen zu eigenen Produkten und Leistungen
    • Projektberichte
    • Erfolgsgeschichten
    • Öffentliches Lob
    • Produkt-Release Ankündigungen
  • Austausch über Abteilungsgrenzen
  • Finden von Ansprechpartnern
  • Fragen in das gesamte Unternehmen
  • Externe Netzwerke für Partner, Kunden oder große Events

Ich kann somit auch wichtige Anliegen vorbereiten. Dazu frage ich nach Ansprechpartnern oder globalen Erfahrungen. Genauso wie mit einem Blick auf meine favorisierte Nachrichten-Seite werde ich auch über verschiedenste Themen aus dem Unternehmen informiert. Zu welchem Zeitpunkt bestimmt jeder für sich. Dadurch erreicht jeder Mensch ein höheres Maß an Informationsselbstbestimmung.

Jedes Unternehmen muss eigene wertvolle Szenarien identifizieren. Wichtig ist den Mitarbeitern diese in einem Kommunikationsleitfaden zu vermitteln.

Yammers Geburt in Europa

Ein schwerwiegendes Argument gegen den Einsatz von Yammer in Deutschland war die Tatsache, dass die Daten nicht in Europa lagen. Ich kenne zahlreiche Unternehmen, die allein deswegen Yammer gar nicht in Betracht gezogen haben. Die Entscheidung ist nachvollziehbar.

Seit Mai 2018 liegen die Daten auch in Europa. Dadurch wird Yammer eine Option für die Umsetzung der Open Loop. Dies kommt genau zur rechten Zeit. In meiner Rolle bei AvePoint spreche ich wöchentlich mit einer Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen aller Branchen und Größenordnungen. Alle bewegen sich momentan in Richtung Office 365. Die Aspekte der Unternehmenskommunikation waren bisher rein SharePoint vorbehalten. Für viele ist Yammer eine echte neue Alternative.

Yammers Zukunft

Ein wichtiger Indikator für die Entwicklung ist die offizielle Microsoft Roadmap. Daran gemessen geht ist die Zukunft düster. Es gibt nicht viele Perspektiven.

Das aktuelle Highlight ist sicherlich die „Fragen und Antworten“ Funktionalität, die es erlaubt aus größeren Kommunikationssträngen die beste Antwort zu definieren. Das verbessert das Wissensmanagement und kann viel Zeit bei der Suche nach relevanten Informationen einsparen.

Andererseits stellt sich die Frage welche Funktionalitäten fehlen. Die bessere Einbindung in Teams als Arbeitsmittelpunkt ist gegeben und die Uservoice enthält natürlich sinnvolle, aber keine elementaren Lücken.

Meine Zusammenfassung

Yammer wird weiterleben und ist auch für die nächsten Jahre eine sinnvolle Möglichkeit die Kommunikation im Unternehmen zu unterstützen.

Auf Grund der Datenhaltung in Europa ist es eine realistische Option für alle Unternehmen, die sich aktuell auf dem Weg in die Cloud befinden.

Yammers Nutzen steigt mit der Anzahl an Mitarbeitern, die in Yammer aktiv sind. Sinnvoll ist die Einführung frühestens ab einigen hundert Mitarbeitern. Darunter kann die Kollaboration vollständig über Microsoft Teams abgedeckt werden.

Vielleicht ist es auch mein Wunschdenken. Ich gestehe: ich liebe Yammer. Schon in meinem Leben vor AvePoint habe ich Unternehmen dabei unterstützt Yammer einzuführen und zu nutzen.

Wer einen Blick in meine Blog-Artikelserie „Yammer in der Praxis“ werfen möchte findet sie auf meinem Blog.

Auf jeden Fall freue ich mich auf einen regen Austausch von Erfahrungen zu Erfolgen und Misserfolgen beim Einsatz von Yammer. Schickt mir gerne eine Kontaktanfrage oder Nachricht auf Linkedin.